Patrick Cartier – Der bloggende Basketballer

Mit Patrick Cartier verpflichten die Ludwigsburger Basketballer einen spannenden Deutsch-Amerikaner, welcher mit seinen 2,03 m auf den Forward-Positionen, vorzugsweise auf der Power Forward-Position, zu Hause ist. Spannend hierbei ist, dass der seit Juni 26-Jährige seinen deutschen Pass im April 2026 erhalten hat.

Sein bisheriger Karriereverlauf

Patrick Cartier geht in Ludwigsburg nun in sein drittes Profijahr. Zuvor absolvierte er sein komplettes Ausbildungsprogramm in den USA. In seiner High School-Zeit war Cartier noch ein „three sport athlete“, aktiv im Basketball-, Football- sowie im Leichtathletikteam der Brookfield East High School. Cartier ging zunächst für drei Saisons ans Hillsdale College, bevor er 2022 für seine letzten beiden Jahre nach Colorado State ging.

Seine erste Profistation in Europa waren die uns bestens bekannten ZZ Leiden. Bereits Jhonathan Dunn und Deion Hammond waren in der Vergangenheit von Leiden nach Ludwigsburg gewechselt. Dort konnte er sofort seine große Stärke unter Beweis stellen, den Dreipunktewurf. Nach einer Saison in Leiden ging es zur Saison 2025/2026 nach Polen zu den uns ebenfalls bekannten BC Zielona Góra. Hier wurde seine Rolle im Vergleich zur BNXT League deutlich kleiner (von knapp 31 Minuten pro Spiel auf 19 Minuten pro Spiel), seine Advanced Stats blieben jedoch hervorragend. Hierauf gehen wir im späteren Verlauf noch ein. Mit Zielona Góra wurde Cartier Hauptrundenachter. Das hielt das Team allerdings nicht davon ab, ins Finale der polnischen Liga einzuziehen. Dort verlor man allerdings denkbar knapp die Serie mit 4:3 gegen Legia Warschau. Spiel 7 ging dabei mit 70:78 gegen den neuen polnischen Meister verloren.

Statistiken:

SaisonTeamPTSREBASTFG%3%STLTO
22/23Colorado State12.33.11.164.744.10.51.5
23/24Colorado State10.42.81.851.034.10.61
24/25ZZ Leiden13.15.41.757.543.80.91.8
25/26BC Zielona Góra9.32.91.457.239.00.41
Durchschnittliche Defensive…

Wenn wir schauen, wie sich Cartier in der Defensive schlägt, geht der erste Blick natürlich auf das Defensiv-Rating, also wie viele Gegenpunkte muss ein Team auf 100 Angriffe einstecken. Bei beiden Teams war diese Kennzahl ähnlich. So betrug das Defensiv-Rating von Leiden 110.1 und von Zielona Góra 109.1. Bei beiden Stationen liegt das Defensiv-Rating von Cartier knapp über dem Teamdurchschnitt (Leiden: 110.8, Zielona Góra: 110.6). Dementsprechend war bei beiden Stationen die Defensive mit Cartier auf dem Feld minimal schwächer als im Teamdurchschnitt. Auch andere defensive Werte wie die Steal- oder Blockzahlen pro Angriff waren im Ligavergleich unter den Power Forwards im untersten Viertel. Der Rebound ist ebenfalls keine Stärke unseres neuen Forwards. Hier rangiert er unter den Power Forwards der Liga mit einer Quote von 14.9 % auf dem 31. von 40 Plätzen. Als Vergleich ziehe ich hier einmal unseren ehemaligen Kurzzeitspieler Ben Vander Plas heran, welcher mit einer Quote von 19.2 % auf Rang 17 rangiert.

Wenn wir in die Saison 2024/2025 nach Leiden schauen, sind die Werte etwas besser. Hier steht er im Ligavergleich ebenfalls in der unteren Hälfte der Power Forwards.

Dementsprechend kann man bezüglich der Defensive zusammenfassen, dass Patrick Cartier mit Sicherheit kein Defensivspezialist ist. Er ist eher ein unterdurchschnittlicher bis durchschnittlicher Verteidiger, welcher sich für die physisch starke Basketball-Bundesliga vor allem beim Rebound deutlich verbessern muss, vor allem da der Rebound, wie in meinem Beitrag über Carles Durán ausgeführt wurde, ein wichtiger Aspekt in unserem Spiel sein wird.

… und überdurchschnittliche Offensive

Doch wenn die Defensive von Patrick Cartier nicht berauschend ist, weshalb ist er für uns dann so ein interessanter Spieler? Wir werden in der kommenden Saison wohl etwas mehr Wert auf die Offensive legen und genau hier kommen die Stärken von Cartier ins Spiel. Beginnen wir mit einem Blick auf das Offensiv-Rating. Dieses betrug bei Leiden 106.3 im Durchschnitt, bei Zielona Góra bei 112.7. Diese Werte sagen uns ohne Einordnung allerdings nichts. Also schauen wir uns die Werte von Patrick Cartier im Speziellen an. Bei Leiden betrug dieser Wert 120.3 und damit 14 Punkte/100 Angriffe besser als der Teamdurchschnitt. Bei Zielona Góra betrug sein Offensiv Rating 124.7 und damit 12 Punkte/100 Angriffe besser als der Teamdurchschnitt. Dementsprechend kann man allein an diesen Werten sehen, eine Offensive mit Patrick Cartier auf dem Feld ist deutlich stärker als ohne ihn. Sollen wir weiter machen? Unter allen Power Forwards in der polnischen Liga ist er der dritteffektivste Werfer. Die Spieler, welche vor ihm stehen, sind ein Power Forward, der in der kompletten Saison einen Dreier versucht hat, sowie ein Spieler, der keine 5 Minuten im Schnitt gesehen hat. Unter allen Spielern auf der Position 4, welche regelmäßig von außen geworfen haben, ist Cartier mit Abstand der effektivste Werfer. Dies spricht für einen Aspekt, welchen wir in der vergangenen Saison selten zu sehen hatten: Spielintelligenz. Er erzwingt keine Würfe, sondern nimmt sich diese, wenn er eine gute Option hat. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in seiner Zeit bei Leiden ab. Dabei ist Cartier allerdings kein eindimensionaler Schütze, sondern kann von innen und außen agieren. So sind ca. 40-47% seiner Feldwurfversuche von der Dreipunktelinie aus. 

Im Video-Scouting zeigt sich die offensive Vielfalt noch einmal. Seine Würfe nimmt er aus verschiedenen Situationen. Gerne stellt er off-ball einen Block, wodurch er selbst eine Sekunde freisteht. Bekommt er in dieser Situation den Ball, hat er kein Problem damit abzudrücken. Da der Gegner seinen Wurf respektieren muss, kann er bei einem zu aggressiven Close-Out (Gegner läuft mit hoher Geschwindigkeit zum Spieler mit dem Ball) auch den Zug zum Korb nehmen. Aus dem Pick & Pop ist er genau so gefährlich wie im Post. Hier zeigt er im Video-Scouting eine gute Fußarbeit.

Der nächste interessante Aspekt ist sein Passspiel. Zwar sind seine reinen Assistzahlen nicht unfassbar stark, wenn wir allerdings auch hier in die erweiterten Statistiken gehen, können wir sehen, dass er in Polen auf dem 6. Rang unter den Power Forwards bzgl. der Assistquote geführt wird. In der BNXT war er hier auf Rang 20, war allerdings dort auch der beste Scorer im Team, während er in Polen einer von vielen guten war.

Nun kann man zur Vermutung kommen, dass Zahlen sich gut anhören, er hierfür jedoch oft den Ball in der Hand benötigt. Dies ist nicht unbedingt falsch, allerdings auch nicht richtig. Seine Usage-Rate (Anzahl der Angriffe, welche bei ihm enden) war sowohl in Polen als auch in der BNXT für Power Forwards überdurchschnittlich, allerdings nicht unfassbar hoch. So rangierte Cartier in Polen auf seiner Position auf dem 13. von 40 Rängen, in Leiden, wo er der Topscorer war, sogar nur auf Rang 27 von 46.  

Der letzte Punkt, welchen ich noch beleuchten möchte, ist der Offensiv Rebound. Hier kann ich mich jedoch kurzhalten und verweise auf meine Ausführung zum Defensiv Rebound. Diese kann man 1:1 auf den Offensiv Rebound übertragen.

Was heißt dies für unser Spiel?

Carles Durán ist ein eher ein Trainer mit einem guten Offensiv-System als mit einer überragenden Defensive. Mit Patrick Cartier bekommen wir einen durchschnittlichen Verteidiger, welcher allerdings in der Lage ist, eine überragende Offensive aufs Parkett zu legen. Zwar sind seine Teams defensiv schlechter gewesen als im Durchschnitt, offensiv gleichzeitig jedoch auf einem komplett anderen Niveau. Schauen wir uns dies doch noch einmal in einer Übersicht an:

SaisonTeamTeam
D-Rating
Team
O-Rating
Team
N-Rating
Cartier
D-Rating
Cartier
O-Rating
Cartier
N-Rating
24/25ZZ Leiden 106.3110.1-3.8110.8120.39.5

So war Leiden mit Cartier auf dem Feld fast 13 Punkte auf 100 Angriffe besser als im Teamdurchschnitt. Während sein Team ein negatives Net-Rating (Offensiv-Rating – Defensiv-Rating) vorweisen musste, war seines deutlich im positiven Bereich. Damit hatte er unter allen regulären Rotationsspielern das zweitbeste Net-Rating bei Leiden.

SaisonTeamTeam
D-Rating
Team
O-Rating
Team
N-Rating
Cartier
D-Rating
Cartier
O-Rating
Cartier
N-Rating
25/26Zielona Góra109.1112.73.6110.6124.714.2

Auch bei Zielona Góra war sein Team mit ihm auf dem Feld um ein Vielfaches besser als sein Team im Durchschnitt. In Polen war Cartier ebenfalls einer der Top-Spieler in Bezug auf das Net-Rating.

Diese beiden Stationen zeigen, Patrick Cartier ist ein Spieler, welcher vielleicht nicht durchgehend spektakulär ist, der seine Teams allerdings durchgehend besser macht und damit für viele weitere Vereine interessant gewesen sein dürfte, gerade mit dem nun dazugekommenen deutschen Pass, welchen ihn sowohl für die deutsche Liga als auch für andere europäische Ligen (hier gilt teilweise eine Regelung, dass eine bestimmte Anzahl an EU-Spielern unter Vertrag stehen muss) sehr interessant gemacht hat.

Der bloggende Basketballer

Ein Aspekt, welchen ich ebenfalls großartig finde, ist, dass Patrick Cartier seinen eigenen Blog hat, in dem er regelmäßige Insights aus seinem Leben und seinen Gedanken teilt. So gibt er dort im April den Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft bekannt, welche ihm Vorteile bei Vereinen sowie bei weiteren organisatorischen Schritten bringt. So teilt er mit, dass er diesen Pass seiner deutschen Großmutter zu verdanken hat, welche in die USA ausgewandert ist. Der Blog ist immer wieder mit aktuellen Gedanken, Leadership Lessons, was er in dieser Woche so unternommen hat, dem Top-Meal und vielen Bildern gefüllt. Ein Vorbeischauen lohnt sich dementsprechend für jeden RIESEN-Fan.

https://www.patrickcartierblog.com

Meine Meinung und Einschätzung

Den Namen Patrick Cartier habe ich zum ersten Mal im Würzburger Forum vernommen, als er mit uns in Verbindung gebracht wurde. Zuletzt kamen immer eindeutigere Hinweise hinzu, dass es sich hier um unseren letzten deutschen Spot handelt. Die reinen Zahlen aus Polen sind nicht überragend und lassen erst einmal die Vermutung zu, dass es sich um einen akzeptablen Rollenspieler handeln könnte. Cartier ist allerdings genau die Art Spieler, bei welcher man hinter die offensichtlichen Statistiken schauen muss, um zu verstehen, wie gut dieser Mann sein kann. Ein deutsch-amerikanischer Power Forward, mit unfassbar guten offensiven Skills und einer Schwäche beim Rebound. Klingt genau nach einem Spieler, der optimal in ein neues, spanischeres Offensiv-System passen könnte. Mit Keeshawn Kellman und Jonas Wohlfarth-Bottermann haben wir zwei Center, welche wirklich gut im Rebound sind, dennoch muss sich Cartier hier deutlich verbessern. Mit seiner Größe wäre er früher eher als Center bei uns gehandelt worden, dies kann er vielleicht auch notfallbedingt mal spielen, durch die Rebound-Schwäche und durch seine Stärken ist er jedoch auf der 4 vermutlich am besten aufgehoben. Zu seinem Speed konnte ich leider wenig finden; wenn sowohl seine allgemeine Geschwindigkeit als auch seine laterale Geschwindigkeit gut sind, könnte er vermutlich von der Position 3-5 alles spielen. Ich bin sehr gespannt, habe bei Patrick Cartier allerdings ein wirklich gutes Gefühl.

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